Alles über Wintergärten – Sommergärten Terrassendächer Der große Ratgeber für einen gelungenen gläsernen Anbau – herstellerunabhängig und neutral Herausgegeben vom Bundesverband Wintergarten e.V.
2 Inhalt 4 Wintergarten, Sommergarten, Überdachung? Eine Begriffsklärung 6 Die Planung: Was zu beachten ist Eine gute Planung erspart viel Ärger 8 Das Material: Viele Möglichkeiten Die Werkstoffe für die Tragwerkskonstruktion 10 Das Leben mit der Sonne gestalten Warum Sonnenschutz wichtig ist 13 Wohlfühlklima im Wintergarten Gute Bedingungen für Menschen und Pflanzen 18 Die Steuerung der Technik Perfekt für Komfort und Sicherheit 20 Glas ist nicht einfach nur Glas Das unterschätzte Multitalent 23 Solare Energiegewinne effektiv nutzen Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) 26 Die Checkliste Welche Punkte sind zu beachten? Der große Ratgeber: Schritt für Schritt zur Wunschüberdachung Zur Benutzung dieses Ratgebers Sie werden bei der Lektüre dieses Ratgebers feststellen, dass die Bandbreite der gläsernen Anbauten sehr breit ist: Sie reicht vom einfachen Terrassendach bis hin zum Wintergarten in Wohnraumqualität. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Bauweisen und Nutzungsarten dieser Bauarten sind die in diesem Ratgeber erwähnten Themen nicht immer von Relevanz. Das Thema „Beheizung“ zum Beispiel kommt meist nur für den WohnWintergarten in Frage, während die Frage der Beschattung zumeist für alle der vorkommenden Bauarten von Bedeutung ist. Bei vielen Themen kann aber die Frage der Relevanz nicht im Vorhinein eindeutig festgestellt werden, da die Ausrichtung, die Dimensionierung, die konkrete Lage vor Ort und die genaue Bauausführung zu unterschiedlich sein können und oft unterschiedliche Maßnahmen erfordern. Wir haben daher keine genaue Abgrenzung der Themen in Bezug auf die einzelnen Bauarten unternommen. Verstehen Sie daher diesen Ratgeber als unabhängigen und neutralen Informator, der Ihnen die Palette der technischen Möglichkeiten aufzeigt. Eine fundierte Beratung kann er ohnehin nicht ersetzen, aber er kann Ihnen aufzeigen, auf was Sie achten sollten und welche Varianten bei der Realisierung Ihres Wunschortes unter Glas möglich sind. In diesem Sinn wünschen wir Ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre. Bundesverband Wintergarten
3 Leben nahe an der Natur – ein Trend unserer Zeit Die „Erfolgsgeschichte Wintergarten“ hat noch lange kein Ende. Ganz im Gegenteil: Neben dem klassischen Wintergarten in Wohnraumqualität und der einfachen Terrassenüberdachung sind in den letzten Jahren sehr viele Zwischenlösungen auf den Markt gekommen, die das Angebot an Lösungen und Varianten sprunghaft gesteigert hat. Nicht umsonst ist auch vom „Sommergarten“ die Rede. Die Gründe für diese Erfolgsgeschichte sind leicht zu benennen: Nur durch Glas von der Natur getrennt, ist es möglich, den Garten, die Natur und das viele Licht zu genießen und dennoch geschützt zu sein. Für jedes Haus und für jeden Geschmack gibt es die passende Lösung, die den individuellen Charakter des Hauses unterstreicht und nicht nur mehr Lebensqualität, sondern auch eine Wertsteigerung der Immobilie mit sich bringt. Doch bevor man die Vorzüge eines Wintergartens, eines Sommergartens oder einer Terrassenüberdachung in vollen Zügen genießen kann, bedarf es einiger Überlegung und gründlicher Planung. Im Vorfeld müssen sich zukünftige Bauherren darüber klar werden, wie das Objekt genutzt werden soll. Aufgrund seiner exponierten Lage zwischen innen und außen und den vielen Einflussgrößen aus Umwelt, Ausführung und Nutzung machen sich Planungsfehler oft schmerzlich bemerkbar und sind im Nachhinein nur schwer oder mit erheblichen Kosten zu korrigieren. Aber keine Angst: Auf dem Weg zur Wunschüberdachung stehen Ihnen Experten an der Seite. Der vorliegende Ratgeber ist eine Entscheidungshilfe für interessierte Bauherren. Er gibt Tipps und Anregungen für einen gelungenen Glasanbau. Dennoch sollte man sich über eines im Klaren sein: Die gründliche Beratung durch einen Fachbetrieb wird dieser Ratgeber nicht ersetzen können. Auch die Qual der Wahl wird Ihnen dieser Ratgeber nicht nehmen können – so unterschiedlich sind die angebotenen Materialien und technischen Lösungen. Aber es ist ein erster Schritt, Orientierung im Dschungel der Möglichkeiten zu erhalten. Fangen Sie an! Ich wünsche Ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre. Ihr Dipl.-Ing. Peter Ertelt Vorsitzender des Bundesverbandes Wintergarten e.V. Bundesverband Wintergarten
4 Wintergarten – Sommergarten – Terrassendach Eine kleine Orientierungshilfe im Dschungel der Begriffe „Leben nahe an der Natur“, „Outdoor-Living“, „Wohlfühloase unter Glas“ – diese und andere Formulierungen beschreiben einen Mega-Trend, der für viele Bauherren und Hausbesitzer von großer Bedeutung ist. Für ein komfortables häusliches Wohnen werden Terrasse und Garten zunehmend einbezogen werden. Trendige Outdoor-Küchen sind dafür ein beredtes Beispiel. Terrassendächer und Wintergärten stehen ganz oben, wenn es um Wetterschutz, Verlängerung des Wohnbereichs nach außen und letztlich Steigerung der Wohnqualität geht. Je nach Nutzungswunsch, aber auch vorhandenem Budget, gibt es inzwischen eine ganze Palette von Lösungen, die den Wohnbereich nach außen öffnen. Die weitestgehende Variante, eine Terrasse als Wohn- und Freizeitraum aufzuwerten, stellt sicher der Bau eines Wintergartens in Wohnraumqualität dar, während die einfache Terrassenüberdachung vor allem Möbel und Menschen gegen Regen schützt. Wir möchten im Folgenden eine kleine Orientierungshilfe geben. Wir gehen dabei von vier Kategorien aus: Wohn-Wintergarten, Kaltwintergarten, Sommergarten und Terrassendach. Wohn-Wintergarten Vorweg: Der Begriff Wohn-Wintergarten ist im Baurecht der Länder nicht immer eindeutig definiert. Dennoch wird oftmals eine genaue Abgrenzung der verschiedenen Bauarten erwartet. Dies ist auch entscheidend dafür, welche Eigenschaften man von einem konkreten Objekt erwarten kann. Der Bundesverband Wintergarten e.V. hat in einem Merkblatt eine klare Definition der Begriffe Wintergarten, Wohnwintergarten in Abgrenzung zum Terrassendach (auch mit seitlichem Windschutz) vorgelegt, auf dem die folgenden Definitionen basieren. Wir beziehen uns hier nur auf den Privatbereich, im gewerblichen Bereich können Bestimmungen und Vorgaben abweichen. Der Wohn-Wintergarten ist ein Wintergarten, der für die ganzjährige Nutzung als Aufenthaltsraum und damit auch für die Beheizung auf Behaglichkeitstemperaturen in der Heizperiode (Innentemperaturen von mehr als 19 ° C) vorgesehen ist und dessen solare Aufheizung im Sommer durch natürliche Beschattung und konstruktive Maßnahmen (Beschattung und Lüftung) gedämpft wird. Beheizte Wintergärten sind mit thermisch getrennten Profilen und Wärmeschutzverglasung auszuführen. Das Fundament muss frostfrei gegründet und gegen aufsteigende Feuchtigkeit geschützt sein. Somit ist der Wohn-Wintergarten die aufwändigste Variante gläserner Anbauten. Da die Einflüsse der Witterung (Hitze, Kälte, Wind) aufgrund der großen Glasflächen unmittelbarer auf den Innenraum wirken, müssen hier besonders wirksame konstruktive Maßnahmen zum Einsatz kommen. Das heißt: Ein Wintergarten in Wohnraumqualität hat nicht umsonst einen hohen Preis. Vermeintliche „Schnäppchen“ sollte man besonders kritisch unter die Lupe nehmen, da diese die gewünschten Eigenschaften oftmals nicht erfüllen. Kaltwintergarten Ein (Kalt-)Wintergarten ist nicht zur Beheizung ausgelegt und daher auch kein WohnDer Wohn-Wintergarten ist ein Wintergarten, der für eine ganzjährige Nutzung als Aufenthaltsraum vorgesehen ist. D. h., er wird ganzjährig beheizt bzw. gekühlt. . Der Kaltwintergarten ist eine gegenüber dem Außenklima hin überwiegend geschlossene Konstruktion, wird aber nicht beheizt. .
5 raum. Er ist aber – genauso wie der WohnWintergarten – eine Konstruktion, die zum Außenklima hin überwiegend geschlossen ist. Mit ihm kann ein Aufenthalt auf der Terrasse erheblich verlängert werden, oft fungiert er auch als Überwinterungsort für subtropische Pflanzen (Zitronen, Oliven, Orangen). Auch unbeheizte (kalte) Wintergärten sollten zur Vermeidung übermäßiger Kondenswasserbildung mit thermisch getrennten Profilen und Isolierverglasungen ausgeführt werden. Zusätzlich ist eine wirksame Belüftung erforderlich, um Tauwasser in der kalten Jahreszeit zu vermeiden bzw. zu verringern, auch wenn dies nicht zwingend vorgeschrieben ist. Vorteilhaft für Bauherren ist, dass bei der Ermittlung des Jahres-Primärenergiebedarfs von Wohngebäuden auch die solaren Wärmegewinne des „kalten“ Wintergartens durch seine Funktion als „Puffer“ gegenüber dem Hauptgebäude, berücksichtigt werden können. Sommergarten (Glashaus) In den letzten Jahren kam immer häufiger ein Begriff ins Spiel, der sich zwischen einer Terrasse mit Überdachung und einem Wintergarten einordnete: Die Rede ist vom „Sommergarten“ oder „Glashaus“. Ermöglicht wurde dieser neue Trend vor allem durch die Entwicklung zahlreicher neuer meist rahmenloser Glas-Faltwände und Schiebesysteme. Diese erlauben es, eine neue oder bereits vorhandene Terrasse so auszustatten, dass sie schnell mit wenigen Handgriffen vollständig geschlossen oder geöffnet werden kann. Ist ein „Glashaus“ ganz geschlossen, besteht dennoch ein fast grenzenloser Ausblick in die umgebende Natur. Genauso wie bei Terrassenüberdachungen ohne Seitenelemente wird der Raum des Sommergartens nicht dicht vom Außenklima getrennt, ist also nicht nur nicht wärmegedämmt, sondern auch nicht wind- und schlagregendicht ausgeführt. Dadurch unterscheidet sich ein „Sommergarten“ auch vom zum Außenklima hin überwiegend geschlossenen, Kaltwintergarten. Dennoch wird sich in einem Sommergarten der Innenraum durch Sonnenstrahlen schnell aufheizen und ein angenehmes Raumklima schaffen, das besonders in den Übergangszeiten genossen werden kann. Somit bekommt man im Endeffekt einen „Wintergarten light“, mit dem die Aufenthalts- und Nutzungsdauer einer Terrasse erheblich verlängert werden kann und in dem die Möbel der Terrasse einen gewissen Schutz erhalten. Auch ein Sommergarten sollte mit einem soliden Fundament ausgeführt werden, allein schon, um einen reibungslosen Betrieb der Glasschiebeanlagen zu ermöglichen. Terrassendach schützen. Meist wird sie auf einer vorhandenen Terrasse errichtet, ein solides Fundament ist für die Konstruktion meist erforderlich. Das Thema „Sonnen- und Blendschutz“ sollte ebenfalls beachtet werden, denn unter dem Dach einer Terrasse können die Temperaturen im Hochsommer beachtliche Ausmaße annehmen. Oft werden bei einfachen Terrassendächern die statischen Anforderungen an diese Konstruktionen unterschätzt. Die Pfosten und der Wandanschluss müssen die auftretenden Kräfte mit zugelassenen, lastabtragenden Verbindungsmitteln in Boden und Wand ableiten. Schneelasten und Winddruck erfordern eine zuverlässige Statik. Auch hier ist vor allzu preisgünstigen Angeboten zu warnen, die schon zu mancherlei Überraschung geführt haben. Der Sommergarten (Glashaus) ist an allen Seiten mit (zumeist) Glasschiebe-Elementen versehen, die einen gewissen Wetterschutz bieten. Das klassische Terrassendach schützt die Terrasse vor Regen, ein oder zwei geschlossene Seiten können als Windschutz dienen.
6 Glasanbauten sind Anbauten im Sinne des Baurechts, also bauantragspflichtig, in einigen Bundesländern genehmigungspflichtig, in einigen Bundesländern kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Genehmigungsfreistellung erfolgen oder es liegt eine generelle Verfahrensfreiheit (zum Beispiel bei einfachen Terrassendächern) vor. Achtung: Auch verfahrensfreie Bauvorhaben müssen das Baurecht einhalten! Wird der Anbau zusammen mit einem Neubau errichtet, so werden die baurechtlichen Formalitäten zusammen mit dem Gesamtgebäude abgewickelt. An erster Stelle bei der Frage einer Genehmigung steht der Bebauungsplan mit seinen einzelnen Vorgaben. Bestandteile dieser kommunalen Baurichtlinie sind der Plan selbst und der dazugehörige Textteil. Der Bebauungsplan gibt allgemein Auskunft darüber, ob sich das Grundstück, auf dem der Wintergarten errichtet werden soll, in einer Wohnbaufläche, einer gewerblichen Baufläche oder in einem Mischgebiet befindet. Die Kommunen haben hier das zulässige Ausmaß der Bebauung festgesetzt. Dies betrifft u.a. Angaben darüber, in welchem Umfang die Grundstücksfläche überbaut werden darf (Grundflächenzahl) oder wie hoch die Summe der Flächen aller Vollgeschosse (Geschossflächenzahl) werden kann. Der Planer eines Glasanbaus muss auf Baufluchtlinien, Mindest-Grenzabstände und Abstandsflächen achten: Baufluchtlinien geben die genaue Positionierung eines Gebäudes vor, während Mindest-Grenzabstände nicht überschritten werden dürfen. Zu beachten sind Flucht- und Rettungswege, die Zugänglichkeit von Ver- und Entsorgungsleitungen sowie das Nachbarschaftsrecht. Hinzu kommen Vorschriften zu Entwässerung/Abwasser und Brandschutz. Bei Bauanträgen sind ein Standsicherheitsnachweis (die statische Berechnung des gesamten geplanten Bauwerks), eventuell der Wärmeschutznachweis und unter bestimmten Bedingungen Nachweise zum Brand- und Schallschutz vorzulegen. Planung und Koordination der Bauausführung Wird der Glasanbau an ein bestehendes Gebäude angebaut, dann muss nicht zwingend ein Architekt für die Bauvorlage beauftragt werden, erfahrene Fachbetriebe, insbesondere die Mitglieder des Bundesverbandes Wintergarten, bieten diese Leistungen inkl. Bauantragserstellung an. Mängel sind ärgerlich und meist viel teurer als der vermeintlich teurere Profi, der eine solide „Rundum-Leistung“ erbringt. Informationen im Vorfeld, Besichtigung von Ausstellungen oder Referenzobjekten zahlen sich für den Bauherren oft aus. In diesem Zusammenhang kann auch auf das Zertifizierungssystem des Bundesverbandes Wintergarten e.V. hingewiesen werden, mit dem Betriebe ihre besondere Qualifikation nachweisen können. (Siehe dazu S. XX) Die technische und organisatorische Koordinierung aller Beteiligten sollte in einer erfahrenen Hand liegen. Auch wenn der Bauherr einzelne Gewerke, zum Beispiel den Einbau der Heizung oder des Fundamentes selbst übernimmt, bedarf es genau dokumentierter Absprachen darüber, was wie dimensioniert und ausgeführt sein soll. Fachbetriebe mit langjähriger Erfahrung verfügen über das erforderliche Know-how, die erforderlichen Mittel oder Kooperationsbeziehungen, um eine regelkonforme, professionelle Planung und Leitung des Bauvorhabens durchzuführen. Inzwischen stehen auch ausgereifte Planungsprogramme zur Verfügung, die das gewünschte Wintergartenmodell realitätsnah und optisch ansprechend präsentieren. Somit kann sich der Kunde ein gutes Bild von dem Objekt bereits in der Planungsphase machen. Einfluss der Himmelsrichtung Da Klima und Atmosphäre in großzügig verglasten Anbauten wesentlich von Licht und Wärme geprägt werden, kommt der Die Planung: Was vor Baubeginn zu beachten ist Projektvorbereitung ohne Irritation und Unzufriedenheit Baurecht ist Ländersache Das Baurecht wird in Deutschland von den einzelnen Bundesländern geregelt. Die Bundesländer haben Landesbauordnungen erlassen, die auch die rechtliche Grundlage bei der Genehmigung eines Wintergartens sind. Die Bestimmungen sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In einigen Bundesländern gibt es die Genehmigungsfreistellung durch das Bauamt (nach Einreichung der Unterlagen), in anderen unter bestimmten Bedingungen auch nur eine Bauanzeigepflicht.
7 Himmelsrichtung, in die der Glasanbau ausgerichtet ist, eine sehr wichtige Funktion zu. Natürlich ist es zuerst das vorhandene Haus, das die Ausrichtung des Wintergartens vorgibt. Wird aber neu gebaut oder gibt es mehrere Möglichkeiten, dann will die Ausrichtung des Wintergartens unter Berücksichtigung der geplanten Nutzung wohl überlegt sein. Nordrichtung: Ein nach Norden ausgerichteter Glasbau ist ein kühler, erholsamer Platz, der in der Regel nicht beschattet werden muss, da er von der Sonne nicht direkt aufgeheizt wird. Ostrichtung: Der nach Osten ausgerichtete gläserne Anbau wird von der Morgensonne und dem ersten Teil der Mittagssonne erwärmt, dann aber vom Schatten des Hauses vor allzu großer Hitze bewahrt. Er ist daher ein idealer Frühstücksplatz. Südrichtung: Eine nach Süden ausgerichtete Konstruktion hat das ganze Jahr hindurch die größte Sonneneinstrahlung, muss vor allem im Sommer aber besonders gegen allzu hohe Aufheizung durch Beschattung sowie Be- und Entlüftung geschützt werden. Westrichtung: Der westorientierte gläserne Anbau wird von der späten Mittags- und Abendsonne aufgewärmt und geht mit der gespeicherten Wärme in die Nacht. Das Fundament Bodenplatte und Fundament von Wintergärten und Glashäusern müssen in der Regel die gleichen Anforderungen erfüllen, wie bei jedem anderen Anbau: • Lasten aufnehmen • Sperre gegen aufsteigende Feuchte • Niederschlags- und Tauwasser von Gebäudeuntergrund fernhalten (Frostaufbrüche vermeiden) • gegebenenfalls Wärmedämmung Für die Lastaufnahme und -verteilung auf den Boden reicht je nach Situation oft eine stahlbewehrte Bodenplatte. Die Lasten des Glasanbaus sind gegenüber anderen Bauwerken gering. Allerdings sind Lasten aus Winddruck und vor allem Windsog zu beachten. Die Gründung muss diese statisch nachweisbar aufnehmen können. Ebenso wie Lasten aus Schnee- und Verkehrslasten. Die Bodenplatte ist mit einer Sperre gegen aufsteigende Feuchtigkeit (z.B. BitumenSchweißbahn) zu versehen. Um zu vermeiden, dass evtl. Niederschlags- oder Tauwasser unter die Bodenplatte läuft und zu Frostaufbrüchen führen kann, ist eine weitere frostfreie Gründung und Bauwerksabdichtung erforderlich. Wie diese zu gestalten ist, hängt von den örtlichen Bedingungen ab, sowie von der Sickerfähigkeit des Bodens. Eine regelmäßig zuverlässige und für die Anbringung der Wärmedämmung sowie Einleitung der Kräfte zweckmäßige Lösung ist ein frostfrei gegründetes Streifenfundament. Aber auch andere Fundament oder Gründungen sind möglich. Ungeeignet sind kleine „Eimerfundamente“ oder einfache statisch nicht nachweislich tragende Konstruktionen. Für einen Wohn-Wintergarten fordern die aktuellen baulichen Vorgaben meist eine Wärmedämmung der Bodenplatte gegen Erdreich von mind. 0,3 W/m²K. Mit dem Aufbau des Fundaments entscheidet man deshalb bereits darüber, ob der spätere Wintergarten als Wohn-Wintergarten genutzt werden kann. Zwei Dinge sind besonders zu beachten: 1. Das Fundament wird oft in Eigenleistung oder von einem anderen Betrieb als der Wintergarten ausgeführt. Wichtig sind hierbei besonders konkrete detaillierte Planung, klare Kommunikation der Beteiligten und Kontrolle der Ausführung. 2. Oft soll der Wintergarten auf den vorhandenen Terrassenboden „gestellt“ werden. Dieser wird aber nur in den seltensten Fällen die nötige Wärmedämmung, Sperre gegen aufsteigende Feuchtigkeit und vor allem Tragfähigkeit aufweisen und die erforderliche Lastabtragung ermöglichen. Ein neues Fundament ist deshalb in der Regel einzuplanen. Gründliche Planung des Anbaus ist auch noch aus einem anderen Grund wichtig. Eventuell einzubringende Versorgungsleitungen z.B. für die Heizkörper müssen gleich mitgeplant werden. Bei Terrassendächern brauchen wir uns weniger Sorgen um die Wärmedämmung, Kondenswasser und aufsteigende Feuchtigkeit zu machen. Dennoch müssen statische Lasten, aus Schnee- und Windlasten (hier auch Druck- und Sogkräfte) sowie die Frosttiefe für das Fundament, genauso beachtet werden. Nur Fachbetriebe mit langjähriger Erfahrung können eine regelkonforme, professionelle Planung und Leitung eines Bauvorhabens garantieren. Die Ausrichtung hat wesentlichen Einfluss auf die Gestaltung und Ausstattung des Glasanbaus. Sind mehrere Himmelsrichtungen möglich, muss genau abgewogen werden. BillionPhotos.com
8 Es ist eine grundlegende Entscheidung, die beim Bau jeder Überdachung getroffen werden muss: Aus welchem Material soll die Tragwerkskonstruktion sein? Auch wenn zwischen einem Terrassendach und einem Wintergarten in Wohnraumqualität ein großer Unterschied besteht, gilt für alle Variante ganz klar: Es gibt keine Präferenz an sich für eine der gängigen Materialgruppen. Konkrete Entscheidungen müssen ausgehend von der geplanten Nutzung, der architektonischen Gestaltung und Gesamtwirkung mit Haus und Umfeld getroffen werden. Weiterhin müssen die Lage und Dimensionierung, der persönliche Geschmack, der Pflege- und Wartungsaufwand sowie die finanziellen Möglichkeiten berücksichtigt werden. Der Bundesverband Wintergarten e.V. ist materialgruppenunabhängig, d.h. er steht für alle Materialien, die zu einem guten Ergebnis führen. Wir stellen im Folgenden die in Frage kommenden Materialien und ihre Besonderheiten vor. Aluminium-Überdachungen Mittlerweile werden die meisten Wintergarten in Deutschland aus Aluminium gefertigt. Das liegt sicher an der guten Verarbeitbarkeit des Materials bei einer vergleichsweise hohen Festigkeit und Langlebigkeit. Auch größere Ausladungen können mit relativ schmalen Profilen erstellt werden. Die Oberfläche pulverbeschichteter, einbrennlackierter Aluminiumprofile hat eine sehr lange Lebensdauer bei minimalem Pflegeaufwand. Praktisch ist jeder Farbton beziehbar. Aluminiumprofile für Wohn-Wintergarten müssen immer thermisch getrennt sein. Dies wird durch thermische Trennung der Aluprofile erzielt, die verringern, dass die Innen- und die Außenschale eine direkte Verbindung haben, denn in diesem Fall würde wertvolle Energie nach außen geleitet werden. Außerdem wird damit erreicht, dass auf der Raumseite die Oberflächentemperatur erhöht und so das Kondensatrisiko vermindert wird. Dennoch sind Aluminiumprofile in der Wärmedämmung kritischer zu betrachten als z.B. Holz Profile. Es gibt bei der Ausführung der thermischen-Trennung jedoch große Qualitätsunterschiede, die sich auch bei der Anschaffung bemerkbar machen. Holz-Wintergärten Der traditionelle Werkstoff Holz ist nach wie vor sehr beliebt und wird ebenfalls gern für die Errichtung hochwertiger Wintergärten verwendet. Viele Nutzer entscheiden sich für Holz aufgrund seiner Wohnqualitäten: Holz ist „hygroskopisch“ und kann deshalb Feuchtigkeit aus dem Raum aufnehmen und wieder geregelt abgeben, dies in Verbindung mit der individuelle Holzmaserung verleiht einen warmen, wohnlichen Charakter. Auch eine freie farbliche Gestaltung ist möglich. Zudem verfügt Holz über eine gute Wärmedämmung. Die Holzprofile sind in der Regel nicht aus Massivholz, sondern aus verleimten Brettschichthölzern, die sich durch hohe Verwindungssteifigkeit, gute Formbeständigkeit, Stabilität und Rissarmut auszeichnen. Als Naturprodukt ist Holz allerdings anfälliger gegen Witterungseinflüsse als andere Materialien. Deshalb ist eine Oberflächenbehandlung erforderlich. Im Außenbereich muss das Holz vor Wassereinwirkung und UV-Strahlung geschützt werden. Diese muss in wiederkehrenden Abständen gepflegt werden. Es gibt allerdings auch Lacksysteme, die bereits bei der Fertigung eingesetzt werden und bis zu 10 Jahren vor dem Pflegeanstrich bewahren können. Dauerhaften Wetterschutz bieten allerdings nur Abdeckungen des Holzes aus witterungsbeständigen Materialien, wie Aluminium, Titanzink, Kupfer, spezielle Kunststoffe u. a. Holz-Aluminium-Konstruktionen In den letzten Jahren ist bei den Holzliebhabern die Materialkombination Holz-AluDas Material: Viele Möglichkeiten und ein Favorit Was ist der beste Werkstoff für die Tragwerkskonstruktion? Die Tragwerkskonstruktion der meisten Wintergärten werden aus Aluminium gebaut.
9 minium immer stärker in den Vordergrund gerückt. Der Grund für diesen Erfolg liegt auf der Hand: Die Verwendung von Holz im Innenbereich und von Aluminium im Außenbereich kombiniert die Vorzüge beider Materialien in idealer Weise: innen das warme Wohngefühl des Holzes und außen die Witterungsbeständigkeit des Aluminiums. Konstruktiv gesehen sind diese Materialkombinationen meistens Holzwintergärten mit einer Aluminium-Aufsatzschale. Aufgrund der aufwändigeren Herstellung sind diese Materialkombinationen im Preis etwas höher angesiedelt als reine Holz- oder Aluminiumkonstruktionen. Allerdings werden damit die Vorzüge beider Materialien vereint: gute Wärmedämmung und atmungsaktives Material beim Holz, mit perfektem, pflegearmem Wetterschutz des Aluminiums. Aluminium-Holz-Konstruktionen Hierbei wird die tragende Konstruktion aus Aluminium gefertigt. Das hat den Vorteil, dass wesentlich schmalere Ansichtsbreiten der Profile eingesetzt werden können als bei Holzkonstruktionen. Innen wird mit Holzverkleidungen die warme Atmosphäre eines Holzwintergartens geschaffen. Allerdings wird in der Regel nur die Wärmedämmung des Aluprofiles erreicht. Weitere Materialkombinationen sind im Innenbereich möglich und werden vereinzelt auch angeboten. Überdachungen und Wintergärten aus Kunststoff Ähnlich wie bei Aluminium steht bei Wintergärten aus Kunststoff die Pflegeleichtigkeit und die UV-Beständigkeit des Materials ganz weit vorn. Kunststoff-Profile müssen wegen ihrer geringen Festigkeit mit einem Stahlkern verstärkt werden. Allerdings sind hierdurch nur begrenzten Spannweiten und nicht alle Dachformen realisierbar. Im tragenden Dach sind deshalb diese Materialien nur sehr selten und mit Einschränkung verwendbar. Allerdings kommen PVC-Elemente in der Fassade, vor allem wegen des geringeren Preises, regelmäßig vor. Deshalb werden Wohn-Wintergärten und Kaltwintergärten aus Kunststoff und Aluminiumprofilen gemischt gebaut. Der Kunststoff wird dabei für die Fertigung der Fenster und Türen eingesetzt. Im Dachbereich und für die tragenden Pfosten wird Aluminium verwendet. Stahl und andere Materialkombinationen Neben den erwähnten Materialgruppen werden Wintergärten auch aus Stahl gefertigt. Ähnlich wie bei Aluminium werden die Profile hier thermisch getrennt. Im Wintergartenbereich sind die Stahl-Profile oft mit Aluminium-Abdeckschalen versehen, um sie vor der Witterung zu schützen. Auch Aluminium-Wintergärten, die mit Fenstern und Türen aus Holz ausgestattet werden, können eine Alternative sein. Das Holz wird so durch das Aluminium-Dach vor den Einflüssen der Witterung weitgehend geschützt. In jüngster Zeit sind weitere Materialkombinationen anzutreffen, die ähnlich wie die Holz-Aluminium-Profile aufgebaut sind. Dort werden für die Außenschalen andere Materialien eingesetzt, zum Beispiel Kunststoff mit besonderer Festigkeit oder PVCAlu Kombinationen. Der traditionelle Werkstoff Holz ist nach wie vor beliebt und wird ebenfalls gern für die Errichtung von Wintergärten verwendet. Holz-Aluminium-Wintergärten: Die Verwendung von Aluminium im Außenbereich und Holz innen kombiniert die Vorzüge beider Materialien.
10 Ein Glasanbau ohne geregelte Beschattungsvorrichtungen wird den Komfort-Anforderungen an diese Bauart nicht gerecht werden können. Das Glashaus heizt sich bei intensiver Sonneneinstrahlung durch den sog. Treibhauseffekt schnell auf und kann zur Wärmefalle werden, die eine Lüftungseinrichtung allein nicht mehr bewältigen kann. Zudem kommen dem Sonnenschutz zumeist noch als Sicht- und Blendschutz weitere Funktionen zu. Befinden sich Pflanzen in einem Wintergarten, so muss gesichert sein, dass die für die meisten Pflanzen kritische Grenze von 40°C nicht überschritten wird. Insbesondere für die Wohnraumnutzung ist eine Beschattung zwingend nötig, damit die Wärme nicht aus dem Wintergarten in das gesamte Gebäude gelangt – und zwar auch dann, wenn die Bewohner nicht anwesend sind. Die Auswahl einer geeigneten Beschattung hängt von verschiedenen Faktoren ab und sollte gründlich geplant werden: Die Ausrichtung des Objekts (Himmelsrichtung), eventuell vorhandene natürliche Beschattung sowie Art und Leistungsfähigkeit des gewählten Beschattungssystems. Eine natürliche Beschattung kann zum Beispiel durch Bäume erzielt werden. Bei südlich ausgerichteten Wintergärten müssten diese aber hoch und relativ dicht an das Glashaus gepflanzt sein, während sie an der Ost- und Westseite aufgrund des niedrigeren Einfallwinkels der Sonne nicht so dimensioniert sein müssen. Landschaftsgärtner sind in der Lage, genaue Beschattungspläne für Gebäude zu entwerfen und bei der Art der Bepflanzung und der Auswahl der Pflanzen zu beraten. Bei den Beschattungssystemen unterscheidet man in der Regel zwischen Außenbeschattung und Innenbeschattung. Ganz allgemein kann man sagen, dass eine außen liegende Beschattung deutlich wirkungsvoller ist als eine sich im Innenraum befindliche. Dies hat seinen Grund darin, dass die eintreffenden Sonnenstrahlen bereits vor dem Innenraum reflektiert bzw. absorbiert werden und diese so überhaupt nicht erst in den Innenraum dringen. Anders verhält es sich bei der Innenbeschattung, bei der die Sonnenstrahlen durch die Verglasung dringen. In diesem Fall wird zwar die direkte UV-Strahlung von der Beschattung noch gut absorbiert, allerdings kann die langwellige Wärmestrahlung den Raum aufheizen. Hier müssen geeignete Lüftungseinrichtungen Stauwärme abführen können, die zwischen Verschattung und Verglasung sowie im Raum entsteht. Allerdings ist ein Innenbeschattung meist preiswerter und weniger störanfällig. Zudem ist zu berücksichtigen, dass eine Außenbeschattung bei starkem Wind (insbesondere in Küstenregionen) geschlossen (eingefahren) werden muss. Eine pauschale Empfehlung für den Einsatz einer bestimmten Beschattungsart lässt sich nicht aussprechen, geht es hier doch um das Wechselspiel der Faktoren Standort, natürliche Beschattung, Verglasung, Belüftung und Beschattungssystem. Allgemein kann man vielleicht formulieren: Je mehr ein Wintergarten nach Süden ausgerichtet ist, desto eher wird man eine außen liegende Beschattung wählen müssen. Natürlich kann man außen- und innenliegenden Sonnenschutz auch miteinander kombinieren. Mit Sonnenschutzglas beschatten? Moderne Funktionsgläser vereinen eine Vielzahl von Eigenschaften. Spezielle Sonnenschutzgläser senken den Gesamt-Energiedurchlass der Sonnenstrahlung in den Innenraum um bis zu 75 Prozent. Dennoch verbleibt viel Restenergie, vor allem Wärmestrahlung von mit der Zeit aufgeheizten Gegenständen übrig. Sonnenschutzgläser werden auch mit farblich „neutraler“ Ansicht angeboten, so dass die FarbwiederDas Leben mit der Sonne gestalten Warum guter Schutz gegen zu viel Sonne wichtig ist Sicher am häufigsten verwendet: Die Markise. Sie läuft in Führungsschienen und kann über große zu beschattende Flächen gespannt werden.
11 gabe der Umgebung (von innen gesehen) nicht merklich beeinflusst wird. Als Nachteil bleibt jedoch anzumerken, dass diese Sonnenschutzgläser den solaren Energiegewinn ganzjährig vermindern, also auch dann, wenn wir uns über jeden Sonnenstrahl freuen! Bei direkter Südlage ist ausschließlich Sonnenschutzglas meist nicht ausreichend für eine effiziente Beschattung. Der Einsatz von Sonnenschutzglas sollte daher genau bedacht und vom Fachmann geplant werden. Inzwischen werden auch so genannte „schaltbare Verglasungen“ angeboten, die ihre Eigenschaften je nach Bedarf ändern können. Diese „elektrochromen“ Verglasungen werden in der Zukunft vielleicht auch für einen Einsatz im Glasanbau geeignet sein. Dies ist zur Zeit aber – schon von der Kostenlage her – noch nicht der Fall. Mit ähnlicher Wirkung funktionieren im Scheibenzwischenraum montierte Jalousien oder Rollos. Bedarfsabhängig kann diese Beschattung eingesetzt werden. Jalousien können durch entsprechende Winkeleinstellung nahezu unsichtbar, d. h. bei Gewährung eines fast ungehinderten „Durchblicks“ Sonnenschutzfunktion erfüllen. Allerdings sind derartige Produkte teilweise störanfällig und lassen sich bei Beschädigung nur durch Scheibenaustausch Instand setzen. Die Außenbeschattung Außenbeschattungen werden im Regelfall auf die Tragwerkskonstruktion des Daches montiert. Die Hersteller bieten verschiedene Konsolen für die Montage auch mit Abstand an. Als gebräuchlichste Form hat sich eine gespannte Markise durchgesetzt. Sie läuft in Führungsschienen und kann über große zu beschattende Flächen im Dach oder an den Seitenwänden gespannt werden. Spezielle Spanngurte in System sorgen für die entsprechende Spannung der Stoffe, wenn die Markise ein flaches Wintergartendach beschatten soll. Wird die Markise nicht gebraucht, kann sie in eine Kassette voll gekapselt eingefahren werden, die das Material vor den Einflüssen der Witterung schützt. Alle Flächen eines gläsernen Anbaus – waagerecht, senkrecht oder schräg – können mit Markisen beschattet werden. Allerdings ist bei waagrechten Flächen nur bei ScreenStoffen noch eine begrenzte Durchsicht möglich. Einige Beschattungen sind bereits zwischen die Profile der Dachkonstruktion konstruiert, so dass diese im Dachsystem integriert sind. So kann zum Beispiel eine einzelne Bahn offen bleiben, um eine Dachlüftungsklappe nicht durch die Stoffbahn zu überdecken, jedoch entstehen dadurch wieder unbeschattete Flächen. Die Anpassung der Markisenbahnen an die Architektur des Daches oder die Seitenwände kann auch interessante optische Akzente bieten. Dafür sind aber höhere Anschaffungskosten einzuplanen. Eine Beratung und Auswahl der verschiedenen Typen sollten unbedingt vom Fachmann erfolgen. Inzwischen werden auch zahlreiche Modelle angeboten, die passgenau zur Beschattung von Sonderflächen wie Dreiecke eingesetzt werden können. Auch hier sorgt eine ausgeklügelte Gegenzugeinrichtung für eine optimale Tuchspannung. Auch die lieferbaren Farben und Dessins sind sehr vielfältig. Die großen europäischen Tuchhersteller bringen jährlich neue Dessins auf den Markt. Besondere Wintergartenmarkisen erlauben die Beschattung des Daches und der Vorderfront in einem Teil. Gerade bei südlich ausgerichteten Wintergärten ist es von nicht zu unterschätzendem Vorteil, dass die gesamte Konstruktion wirkungsvoll beschattet werden kann. Zu beachten ist allerdings, dass hier die Beschattung nur insgesamt reguliert werden kann, eine separate Beschattung der Vorderfront bei freibleibender Dachverglasung ist nur mit unterschiedlichen Typen möglich. Für alle Markisenarten gilt, dass die Steuerung nicht nur auf Sonne und Wind reagieren sollte (bei starkem Wind müssen die Tuchbahnen eingefahren werden), sondern auch auf Frost, so dass im Winter die Systeme vor unbeachteter Bedienung bewahrt werden, um eine Zerstörung des Systems zu vermeiden. Eine alternative Form stellt die Außenbeschattung mit sogenannten Raffstoren dar. Raffstoren sind Aluminium-Lamellen welche überwiegend Horizontal verlaufen. Entlang der Seiten sind die Lamellen gebördelt („gerafft“), um ihre Stabilität zu erhöhen. Diese Senkrechtmarkisen sorgen für eine wirksame Beschattung der Seitenwände. Dies ist gerade für nach Süden ausgerichtete Konstruktionen wichtig.
12 Systeme sind entweder über Seile oder Führungsschienen, entlang der Fronten geführt, daher sind sie gegen Wind und Witterung etwas widerstandsfähiger. Zu vergessen ist auch nicht der Vorteil der Bestimmung des Lichteinfalls in den Innenraum durch eine mögliche stufenlose Regulierung und das Schwenken der Lamellen. So kann trotz Beschattung vor der oben auftreffenden Sonne, noch eine gute Durchsicht ermöglicht werden. Dies ist sicher ein Grund dafür, warum Horizontaljalousien ein sehr beliebtes Produkt für die Beschattung der Fassaden sind und oftmals einer Senkrechtmarkise vorgezogen werden. Zum Schluss sollen noch die traditionellen Rollläden erwähnt werden, die für eine Beschattung der Seitenteile aber auch als Gegenzugsystem für Wintergartendächer ebenfalls in Frage kommen können. Die Rollladen für die Seitenfenster werden entweder als Aufsatzelemente zusammen mit den Seitenelementen in die Konstruktion eingebaut oder als Vorsatzrollläden unter der Traufe. Zu beachten ist hier allerdings, dass die Regulierung der Helligkeit und die Durchsicht kaum möglich ist. Die Innenbeschattung Ohne Zweifel ist die Innenbeschattung – an den Fassaden – des gläsernen Anbaus im Gegensatz zur Außenbeschattung Bestandteil der Einrichtung und erfüllt auch Zwecke der Dekoration. Entsprechend vielfältig sind die angebotenen Materialien und Formen. Zudem ist die Aussage sicher nicht von der Hand zu weisen, dass Innenbeschattungen filigraner und leichter ausgeführt sind, da sie nicht so beständig gegen die außen herrschenden Naturgewalten sein müssen. Die Innenjalousie ist auch eine beliebte Form der Beschattung, da sie nicht nur gehoben und gesenkt werden kann, sondern auch die Lamellen in einen bestimmten Winkel gestellt werden können. Auch die Innenjalousie erfüllt nicht nur die Funktion eines Sicht- und Blendschutzes sowie teilweise Sonnenschutzes, sondern auch die der Tageslichtlenkung. Die Systeme werden in verschiedenen Antriebsarten angeboten: manuell per Schnurzug oder Kurbel, aber auch elektrisch – wahlweise in Einzel- und Gruppensteuerungen. Neben einer Anordnung der Lamellen in horizontaler Richtung können auch Vertikalgehänge eingesetzt werden. Lamellenvorhänge eignen sich besonders zur Beschattung bzw. dem Blendschutz größerer Flächen. Auch sie können nicht nur geöffnet und geschlossen, sondern ihre Lamellen in einen bestimmten Winkel gebracht werden, um den Lichteinfall zu regulieren. Neben Aluminium werden hier vor allem Systeme aus Textilien oder auch Folien angeboten. Ähnlich beliebt wie Jalousie ist das Rollo. Neben den Systemen für den vertikalen Einsatz stehen spezielle Rollos für den Dachbereich zur Verfügung. Hier wird eine gewisse Spannung der Rollo-Bahnen durch ein Gegenzugsystem gewährleistet. Die Einsatzmöglichkeiten der Rollos werden durch die Entwicklung spezieller Beschichtungen erheblich erweitert. So kann zum Beispiel durch eine aluminiumbedampfte Außenseite eine besondere Reflexionsfähigkeit erreicht werden. Halbtransparente Gewebe erlauben eine Durchsicht bei gleichzeitiger Beschattung mit Blendschutz. Dieser komfortable Blick nach außen bei geschlossenem Behang kehrt sich aber um, wenn der Wintergarten abends beleuchtet ist: Dann kann man von außen unbehindert in den Wintergarten sehen. Sehr dekorativ sind Faltstores, die in zahlreichen Farben, Mustern und geometrischen Dessins angeboten werden. Sie wirken luftig und leicht, können aber neben Sicht- und Blendschutz auch als Sonnenschutz eingesetzt werden. In diesem Fall wird der Stoff meist mit einer aluminiumbedampften Außenseite versehen, die das Sonnenlicht reflektiert. Dekorativ wirken auch Sonnensegel, die einen deutlichen gestalterischen Akzent setzen können. Dies gilt auch für Vorhänge aller Art. Bei deren alleinigen Verwendung sollte man sich aber über die nur beschränkte Sonnenschutzfunktion im Klaren sein. Die Materialien, die in einem gläsernen Anbau eingesetzt werden, sollten besonders unempfindlich gegen Feuchtigkeit und häufige Temperaturschwankungen sein, da das Klima des Wintergartens deutlich wechselhafter ist als das der übrigen Innenräume. Raffstoren bestehen aus Aluminium-Lamellen. Entlang der Seiten sind die Lamellen gebördelt („gerafft“), um ihre Stabilität zu erhöhen. Diese Systeme sind entweder über Seile oder Führungsschienen – entlang der Fronten – geführt.
13 Wohlfühlklima im Wintergarten Angenehme Bedingungen für Menschen und Pflanzen Die Regulierung des Raumklimas gehört zu den technischen Herzstücken vor allem eines Wintergartens. Wer nur einmal in ein in der prallen Sonne geparktes Auto gestiegen ist, kann sich unschwer vorstellen, welche Temperaturen bei Sonnenschein schnell in einem Wintergarten entstehen können. Mehr noch: Ein Wintergarten gehört wegen der beabsichtigten Transparenz seiner Umfassung und der geringen Wärmespeicherung seiner Bauteile zu den Räumen, die den Temperatur- und Klimaschwankungen der Natur am stärksten ausgesetzt sind. Die Hitze des Sommers und die Kälte des Winters machen sich hier am unmittelbarsten bemerkbar und beeinflussen das Raumklima. Damit dieses Raumklima auch immer ein Wohlfühlklima für Mensch und Pflanze ist, kommt den Punkten Be- und Entlüftung sowie Beheizung und Beschattung als zentralen Bereichen der Klimasteuerung des Wintergartens eine enorme Bedeutung zu. Was ist das richtige Wohlfühlklima im Wintergarten? Zentrale physikalische Messgrößen für das Klima in einem Wintergarten sind Luftfeuchtigkeit, Innen- und Außentemperatur sowie Temperaturverteilung. Diese Faktoren müssen immer zusammen gesehen werden, denn die relative Luftfeuchtigkeit ändert sich automatisch bei einer Veränderung der Temperatur: Je kälter die Luft ist, desto weniger Feuchtigkeit kann sie aufnehmen, desto eher kommt es zu Tauwasser an den Bauteiloberflächen. Feuchtigkeit bildet sich an den kühleren Stellen als Kondenswasser. Sind die Heizkörper nicht an den richtigen (meist kältesten) Stellen angeordnet, bildet sich nicht die richtige Luftzirkulation heraus und es entstehen starke Unterschiede in den Oberflächentemperaturen der Bauteile mit entsprechender Kondensierung der Luftfeuchtigkeit, selbst wenn die Luftfeuchtigkeit der für normale Wohnräume entspricht. Als Regel für ein optimales Raumklima hat es sich bewährt, eine Temperatur von 20°C in Verbindung mit einer relativen Luftfeuchtigkeit in den Bereichen von 45 bis 55 Prozent anzunehmen. Dies kann man als von der Erfahrung bewährte Empfehlung verstehen. (Darüber gibt es sogar Normen, die DIN 1946-6 und DIN 4108-2). Im Sommer besteht das Ziel der Klimasteuerung in der Verhinderung der Überhitzung, die durch den so genannten „Treibhauseffekt“ entsteht. Ein nach Süden ausgerichteter Wintergarten würde ohne Beschattung und Belüftung schnell in Temperaturregionen von bis zu 70°C kommen! Bei Ausrüstung des Wintergartens mit allen heute zur Verfügung stehenden technischen Mitteln (Belüftung, Beschattung) und deren richtigen Einsatz durch den Nutzer kann die Temperatur im Wintergarten auf einige Grad über der Außentemperatur beschränkt bleiben. Die Begrenzung auf Wohnraumtemperaturen von Kompaktbauten ist allerdings wegen der geringen Speichermassen und der hohen solaren Gewinne nur durch technische Kühlung zu erreichen. Im Winter geht es unter anderem um die Verhinderung von Kondenswasser, das durch die Erreichung des so genannten „Taupunktes“ entsteht, wenn eine hohe Luftfeuchtigkeit im Zusammenhang mit niedrigen Temperaturen auftritt. Ausreichende Lüftung ist zwingend erforderlich Neben einer wirksamen Beschattung und möglicherweise dem Einsatz von Funktionsgläsern sorgt vor allem die Be- und Entlüftung für ein angenehmes Raumklima. Lüftung und Beschattung ergänzen sich, sie können sich aber nicht ersetzen. Das kann an folgendem Beispiel gezeigt werden: Ist ein Wintergarten mit einer leistungsfähigen Wegen der Transparenz der Bauteile ist ein Wintergarten ein Raum, der den Temperatur- und Klimaschwankungen der Natur am stärksten ausgesetzt sind. Eine wirksame Steuerung des Klimas ist hier unverzichtbar.
14 Außenbeschattung versehen, muss die Luft im Wintergarten immerhin noch zusätzlich zehn Mal pro Stunde gewechselt werden, um unangenehme Stauluft und Hitze im Sommer zu verringern. Bei einer Innenbeschattung wird von einem zwanzigfachen Luftwechsel ausgegangen. Wäre das Glashaus vollständig ohne Beschattungsvorrichtungen, müsste die Luft sogar ca. 50 Mal pro Stunde gewechselt werden. Das ist aber eher eine theoretische Rechengröße, die in der Praxis kaum zu bewerkstelligen ist. Somit kann festgehalten werden, dass für ein angenehmes Raumklima immer Beschattungs- und Lüftungsvorrichtungen vorhanden sein müssen! Prinzipiell kann man zwei Möglichkeiten der Lüftung unterscheiden: die thermische und die motorische Lüftung. Die thermische Lüftung Die thermische oder natürliche Lüftung ist eine einfache Lösung, welche das physikalische Gesetz ausnutzt, dass erwärmte Luft nach oben steigt und dass sich zwischen den Außenwänden von Gebäuden Luftdruckunterschiede einstellen, die eine Querlüftung durch Öffnen der Seitenfenster ermöglichen. Dach oder Seitenfenster im oberen Bereich führen diese Luft nach außen, während im unteren Bereich Öffnungen frische Zuluft in den Raum transportieren. Neben besonderen Lüftungsklappen kann sowohl Luftzufuhr wie Abluft über die vorhandenen Fenster, Türen oder Dachfenster erfolgen. Auf dem Markt werden Lüftungssysteme angeboten, die mit einfachen Mitteln auf eine Erhitzung im Innenraum reagieren. Zur Berechnung der Fläche, die für eine thermische Lüftung zu öffnen sein soll, gilt folgende Regel: 10 Prozent der gesamten verglasten Fläche soll zu öffnen sein. Davon sollen sich 2/3 im oberen Bereich für die Abluft und 1/3 im unteren, senkrechten Bereich für die Zuluft befinden. Gegen die thermische Lüftung wird vorgebracht, dass sie die Einbruchgefahr erhöht, weil geöffnete Flügel notwendig sind, und dass sie bei Abwesenheit der Bewohner nicht regulierbar ist und somit Pflanzen unter Umständen unter zu großer Hitze zu leiden haben. Befürworter einer thermischen Lüftung betonen dagegen, dass ihr großes Plus in einer vollkommen geräuschlosen Arbeitsweise und einer einfachen Handhabung liegt. In Abwägung dieser Aspekte können auch Kombinationen von natürlicher und motorischer Lüftung durchaus sinnvoll sein. Die motorische Lüftung Auf dem Markt werden zahlreiche Lüftungssysteme angeboten, welche die Be- und Entlüftung motorisch regeln. Diese Lüftungen sind in der Regel technisch ausgereifte Produkte, die auch die Anforderungen an Wärmedämmung, Wasserdichtigkeit etc. eines Wintergartens erfüllen. Für den Zuluftbereich werden meistens Schiebelüfter angeboten, die wie waagerechte Leisten in die Elemente eingefügt werden. Die Montage erfolgt je nach Modell direkt unter oder über der Glasscheibe, oder die Einheit wird in den Blendrahmen integriert. Auch eine senkrechte Montage ist bei einigen Modellen möglich. Zuluftgeräte können wahlweise manuell oder motorisch betrieben werden. Manuelle Systeme funktionieren dann nach dem Nachströmprinzip, d.h. dass durch das Absaugen verbrauchter Luft im oberen Bereich durch die Veränderung des Luftdrucks automatisch Frischluft in den Wintergarten geführt wird, ohne dass eine motorische Unterstützung erforderlich ist. In diesem Fall spricht man von einem abluftorientierten Lüftungssystem. Die Geräte im Abluftbereich sind in der Regel Walzenlüfter, die verbrauchte warme und feuchte Innenluft nach außen führen. Die Gehäuse bestehen entweder aus KunstZuluftklappen am unteren Bereich sorgen für ein Nachführen frischer Luft, während die verbrauchte, erwärmte Luft durch Öffnungen im Dachbereich entwicht. Walzenlüfter sorgen für eine motorische Abführung der verbrauchten, erwärmten Luft. Bundesverband Wintergarten Bundesverband Wintergarten
15 stoff oder aus Aluminium. Das System sollte speziell für den Einsatz im Wintergartendach konzipiert sein, sonst kann es zu Eintritt von Niederschlagswasser kommen. In der Regel ist die Drehzahl der Walzenlüfter regelbar. Die maximale Drehzahl gewährleistet maximale Lüftung, verursacht aber auch das größte Betriebsgeräusch. Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass die Hersteller eine Vielzahl von Accessoires anbieten, die den Wohnkomfort im Wintergarten erhöhen. Dies betrifft zum Beispiel spezielle Pollenfilter für die Zuluftgeräte oder auch Insektengitter etc. Drei Lüftungsstrategien Im Wintergarten spricht man im Wesentlichen von drei verschiedenen Lüftungsstrategien: der Querlüftung, der Diagonallüftung und der Dach- oder Firstlüftung. Alle drei Lüftungsstrategien arbeiten nach dem Prinzip der Zuluft und der Abluft. Die Öffnungen bzw. Geräte für die Zuluft werden in der Regel im unteren oder mittleren Bereich der Elemente platziert, während für die Abluft der obere Bereich der Seitenteile oder das Dach vorgesehen ist. Bei der Querlüftung erfolgt die Be- und Entlüftung an den beiden Seitenteilen des Wintergartens. Für Zuluft sorgen Lüftungsklappen, die manuell oder motorisch betrieben werden, während die Abluft in der Regel durch Oberlichter nach außen geführt wird. Die klassische Form der Lüftung funktioniert aber nicht unbeschränkt. Die Entfernung zwischen Zu- und Abluftgeräten sollte nicht mehr als 6 m betragen, denn dann würde sich die Luft zu sehr erwärmen und ein geregelter Luftwechsel nicht wirksam sein. Die Diagonallüftung erhält die Zuluft durch entsprechende Öffnungen in der Vorderfront des Wintergartens (Fenster, Türen, Schiebelüfter) und entlüftet wie bei der Querlüftung durch die Seitenteile unter Verwendung von Dachlüftungsklappen, Oberlichtern oder Walzenlüftern. Die Dach- oder Firstlüftung gehört inzwischen zu der Lüftungsart, die am häufigsten in Wintergärten verwendet wird. Die Entlüftung erfolgt über Dachlüftungsklappen oder Walzenlüfter im Dachbereich, während die Zuluft wie bei der Diagonallüftung durch die Vorderseite mittels Fenster, Türen oder Schiebelüftern in die Konstruktion geleitet wird. Ein Grund für die Popularität der Dachlüftung liegt in der Tatsache, dass hier das Auftreten von Zugerscheinungen am wenigsten wahrscheinlich ist. Mindestlüftung zum Feuchteschutz Zusätzlich zur zuvor beschriebenen Behaglichkeitslüftung ist bei Wohn-Wintergärten eine nutzerunabhängige Mindestlüftung zum Feuchteschutz erforderlich. Vereinfacht ausgedrückt entsteht bei einer wohnraumähnlichen Nutzung insbesondere in der kalten Jahreszeit ein Feuchte- bzw. Dampfdruckgefälle. Ohne ausreichenden Luftwechsel kann dies zu Tauwasserbildung an kälteren Bauteiloberflächen und in der Folge zu Schimmelbildung führen. Zur Vermeidung solcher Feuchteschäden muss daher eine geringe, jedoch dauerhaft wirksame Lüftung zum Feuchteschutz sichergestellt werden. Diese kann nicht allein durch gelegentliches manuelles Öffnen und Schließen von Fenstern gewährleistet werden. Vielmehr sind geeignete Lüftungseinrichtungen oder Lüftungssysteme vorzusehen, die nutzerunabhängig funktionieren. Hierfür ist eine fachgerechte Planung erforderlich. Die geeigneten technischen Möglichkeiten sollten daher unbedingt frühzeitig mit dem ausführenden Fachbetrieb abgestimmt werden. Querlüftung: Die Be- und Entlüftung erfolgt durch seitlich angebrachte Oberlichter. Für Zuluft sorgen Belüfter oder auch Schiebelüfter. Diagonallüftung: Entlüftet wird per Dachlüftungsklappen, Oberlichter oder Walzenlüfter. Zuluft wird über Fenster, Türen oder Schiebelüfter zugeführt Dach- oder Firstlüftung: Zur Entlüftung stehen Dachlüftungsklappen oder Walzenlüfter zur Verfügung. Zuluft kommt über Fenster, Türen oder Schiebelüfter. Bundesverband Wintergarten
16 Grundsätzliches zur Heizung Prinzipiell kann festgestellt werden, dass ein Wohn-Wintergarten nur mit einer Heizung vollwertig funktionieren kann, denn er soll ja für den dauerhaften Aufenthalt von Menschen durch alle Jahreszeiten hindurch funktionieren. Auch wenn der Wintergarten vor allem im Winter als solarer Energie-Kollektor geschätzt wird, kann die gewonnene Energie nicht für einen komfortablen Daueraufenthalt ausreichen, so willkommen dies auch ist. Geht man einmal von einem nach Süden ausgerichteten Wintergarten mit Wärmeschutzverglasung aus, würde dieser ohne Heizung nur etwa 220 bis 270 Tage als vollwertige Wohnraumerweiterung nutzbar sein. In einbautechnischer Hinsicht ist es sicher am einfachsten, die Heizung für den Wintergarten an das bestehende Heizsystem anzuschließen. Bei der Berechnung der Heizleistung ist allerdings unbedingt darauf zu achten, dass die spezifischen Bedingungen eines Wintergartens ausreichend berücksichtigt werden. In der Praxis ist gelegentlich zu beobachten, dass die für normale Wohnräume geltenden Kennwerte einfach auf den Wintergarten übertragen werden. Da die Wärmedämmung eines Mauerwerks aber deutlich besser ist als die einer verglasten Fläche, würde die berechnete Heizleistung in diesem Fall nicht ausreichen, um im Winter ein behagliches Raumklima zu erzeugen. Je nach Art der Verglasung, beispielsweise 2-fach- oder 3-fach-Isolierverglasung, kann der momentane Heizleistungsbedarf eines Wintergartens etwa drei- bis fünfmal so hoch sein wie in einem üblichen Wohnraum. Dies bedeutet jedoch nicht, dass eine solche Heizleistung dauerhaft zur Verfügung gestellt werden muss. Durch solare Energiegewinne können insbesondere bei Sonneneinstrahlung erhebliche Wärmeeinträge erzielt werden, die den Heizbedarf deutlich reduzieren. Wenn jedoch keine Sonne scheint oder die Außentemperaturen insbesondere in der Nacht stark absinken, kann kurzfristig ein deutlich erhöhter Heizleistungsbedarf entstehen. In der Jahresbilanz muss der Energieverbrauch eines Wohn-Wintergartens aber nicht zwangsläufig wesentlich von dem eines vergleichbaren Wohnraums abweichen. Die Heizungsanlage muss jedoch in der Lage sein, auf besondere Situationen – insbesondere auf schnelle Temperaturabfälle und fehlende solare Gewinne – ausreichend schnell zu reagieren. Welche Heizung: Konvektions- oder Strahlungswärme? Spricht man von Heizung im Wintergarten, so unterscheidet man zwischen Konvektions- und Strahlungswärme. Die Beheizung durch Konvektionswärme ist sicher als die „klassische“ Methode zu bezeichnen. In diesem Fall wird die Luft des Innenraums an einem Heizkörper (oder einem anderen „Wärmetauscher“) erwärmt. Die erwärmte Luft steigt an den Heizkörpern nach oben und erwärmt Innenraum und Außenhülle. Durch die an die Außenhülle abgegebene Wärme kühlt die Luft wieder ab und sinkt an den der Heizung gegenüber liegenden Wänden abgekühlt nach unten, strömt in Richtung Heizkörper nach und wird dort erneut aufgeheizt. So entsteht eine Luftzirkulation. Man nennt sie auch Konvektion. Wichtig ist deshalb, dass die Heizkörper am kältesten Punkt des Wintergartens platziert werden: nämlich entlang der Glasflächen. Nur so kann die gewünschte Luftzirkulation entstehen und ein unangenehmes Kältezuggefühl von den Scheiben her oder Tauwasserbildung vermieden werden. Sind die Glasflächen kalt, dann wird man auch bei einer relativ hohen Raumtemperatur das Gefühl haben, dass es „zieht“. In diesem Zusammenhang ist auch die Notwendigkeit einer ausreichenden Warmluftzirkulation im Bereich der Verglasung zu berücksichtigen. Eine wirksame Luftbewegung entlang der raumseitigen Scheibenoberflächen trägt dazu bei, die Oberflächentemperaturen zu erhöhen und damit das Risiko von Kondenswasserbildung zu reduzieren. Heizkörper entlang der Glasflächen werden von den Bewohnern oft als störend empfunden: sie beeinträchtigen die Transparenz des Wintergartens oder nehmen zu viel Platz für eine vorgesehene Bepflanzung Wohlige Strahlungswärme eines Kaminofens macht einen Wintergarten zu einem besonderen Wohnerlebnis.
RkJQdWJsaXNoZXIy MjU0Mjk=